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Die Glocken der alten Volpriehäuser Steinkirche und der Fachwerkkirche

Text: Detlev Herbst – Layout u. Gestaltung: Harald Wokittel

Die älteste bekannte Darstellung der alten Volpriehäuser Kirche befindet sich auf der Sollingkarte von Krabbe aus dem Jahre 1603. Sie war der Überlieferung nach dem heiligen Georg geweiht. In der Akte über die Kirchen- und Pfarrgüter aus dem Jahre 1745 findet sich eine Beschreibung dieser Kirche, die durchaus der Darstellung Krabbes entspricht.

Die Kirche war aus Stein gebaut. Das Kirchenschiff bestand aus einem niedrigen und einem höheren turmähnlich gestalteten Gebäudeteil, die ineinander übergingen. Das lässt die Vermutung zu, dass die ursprünglich kleine Kirche später um den Turmteil erweitert worden war. Im niedrigen Ostteil befand sich unter einem Gewölbe der Chor mit dem Altar. Im Turm auf der Westseite hing die kleine Läut -und Pfarrglocke. Sie war 1619 gegossen und trug die Inschrift „Gott der schuof mich und David Fobben gos mich 1619“.

Die Kirche war in keinem guten baulichen Zustand. 1552 wurden die Balken, Dachsparren und das Dach erneuert, 1745 das Mauerwerk und das Gewölbe ausgebessert. Die Ausstattung der Kirche stammte aus dem Jahre 1588.  1698 ließ die Gemeinde eine weitere größere Glocke aus Bronze gießen. Sie trug die Inschrift „Komet, last uns anbeten und knien und niederfallen für den Herrn, der uns gemacht hat. Justus Johann Jeepius, Pastor“. Am unteren Rand war zu lesen „Christ. Sud. Meyer hat mich gegossen auf Volpriehausen, Delliehausen und Gierswalde ihre Kosten, Anno 1698“.

Diese beiden Glocken wurden in den Neubau der Fachwerkkirche, der 1840 geweiht wurde, übernommen. 1897 gab die Gemeinde zwei Bronzeglocken bei der Gießerei J. Kandler in Hildesheim in Auftrag. Sie sollten die beiden vorhandenen ersetzen. Die größere wog 210 kg, hatte einen Durchmesser von 72 cm, ihr Ton war C, die kleinere wog 140 kg und hatte einen Durchmesser von 61 cm. Ihre Inschriften lauteten „Ein feste Burg ist unser Gott“ und „Selig sind die, die Gottes Wort hören und bewahren“. Während des Ersten Weltkriegs musste die Gemeinde die größere 1917 zum Einschmelzen für die Kriegsproduktion abgeben. Aus diesem Anlass gab die Gemeinde sogar eine  Postkarte mit dem Bild der Glocke und der Inschrift „Kirchenglocke Volpriehausen 1897 – 1917, Friede sei mit euch!“ heraus.

Aus finanziellen Gründen konnte die Gemeinde erst 1925 bei der Gießerei Kandler eine bronzene Ersatzglocke in Auftrag geben.

Auch während des Zweiten Weltkriegs musste die Kirchengemeinde sich wieder von ihrer großen Glocke trennen, da sie für die Produktion „kriegswichtiger Güter“ eingeschmolzen werden sollte.

Im Jahre 1951 erhielt die Gemeinde zwei neue Glocken – aus Kostengründen aus Stahl – eine als Ersatz für die eingeschmolzene große Bronzeglocke und die andere für die verbliebene kleine, die ausgetauscht werden sollte. Die neuen Glocken wurden am 7. Mai 1951 auf einem LKW von der Gießerei J. F. Weule aus Bockenem am Harz nach Volpriehausen transportiert. Am östlichen Ortseingang wurden sie von Pastor Weisbrich, dem Kirchenvorstand, dem Kinderkirchenchor, dem Gemeindedirektor und zahlreichen Einwohnern empfangen und zur Kirche geleitet.

Foto: Ortsarchiv Volpriehausen

Nachdem die kleine Bronzeglocke mit Hilfe eines Flaschenzugs langsam zur Erde heruntergelassen worden war, wurden die beiden neuen Stahlglocken nacheinander in den Glockenstuhl hochgezogen. Die Inschriften der großen acht Zentner schweren Glocke lauten „Wachet und betet! Der Herr ist nahe!“ Darunter stehen die Namen des Pastors Weisbrich und der Kirchenvorsteher Sauthoff, Kohrs, Hillebrandt, Conrad und Jender. Die kleinere, die ein Gewicht von fünf Zentnern hat, trägt die Inschrift „Fürchte Dich nicht! Glaube nur!“ Der Ton der großen Glocke ist H, der der kleinen D.

 Am Pfingstsonntag 1951 riefen sie zum ersten Male zum Gottesdienst, und das bis heute … .

Kirche 2016 (Foto: Harald Wokittel)