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Salzbergbau verändert eine Region

Die Entwicklung des Dorfes Volpriehausen am Solling vom Bauerndorf zum Industriestandort

Detlev Herbst

Die Sollingregion
Das Dorf Volpriehausen liegt im südniedersächsischen Oberwesergebiet zwischen den Kleinstädten Hardegsen und Uslar am östlichen Rande des Sollings. Es ist seit 1974  Ortsteil der Stadt Uslar.

Der Solling ist der nördlichste Teil der großen Buntsandsteinlandschaft an der Oberweser, die sich von Groß-Allmerode im Süden bis Stadtoldendorf im Norden erstreckt. Im Solling ist die
Formation des mittleren Buntsandsteins am weitesten verbreitet.  In der Tiefe steht unter der
Buntsandsteinformation der Zechstein an, der wegen seiner reichen Kali – und Steinsalzvor -kommen von großer Bedeutung ist.

Volpriehausen im 18. und 19. Jahrhundert
Gegen Ende des achtzehnten Jahrhunderts war die Sollingregion zum „Armenhaus“ des Königreichs Hannover geworden. Ihre Einwohner lebten hauptsächlich von den kargen Erträgen der Land – und Waldwirtschaft und vom Wegebau. Industriebetriebe waren nicht vorhanden, da die Verkehrsanbindungen sehr ungünstig waren.

Erst der Bau der Sollingbahn zwischen Northeim und Ottbergen in den Jahren 1874 – 1878 leitete die Wende ein. Volpriehausen erhielt einen Bahnhof und wurde Verladestation für die Basaltsteine der Bramburg bei Adelebsen, die auf einer Feldbahn zum Bahnhof nach Volpriehausen transportiert  wurden. Nach der Erschließung eines Braunkohletagebaus im Nachbarort Delliehausen durch die „Consolidierten Sollinger Braunkohlenwerke“ im Jahre 1888 wurde am Bahnhof in Volpriehausen eine Brikett – und Farbenfabrik erbaut, in der die Braunkohle verarbeitet wurde. Sie wurde mit Hilfe einer Seilbahn von Delliehausen nach Volpriehausen transportiert.

Die „Bergbau AG img108Justus“ und die „Wittekind Bergbau AG“
Nach erfolgreichen Probebohrungen  begann die Bergbau AG Justus, Köln, im Jahre 1898  mit dem Abteufen eines Schachtes am östlichen Ortsausgang nahe der Bahnlinie. Der 1895 von dem Chemiker Hilberg aus Essen mit den Grundbesitzern und der Pfarre abgeschlossene Kalisalzvertrag wurde auf die Bergbau AG Justus übertragen.  Der Schacht „Justus I“ erreichte eine Teufe von 558  Metern, die Hauptfördersohle wurde in 540 m Teufe angelegt. Der Schacht wurde mit den  Übertageanlagen Anfang 1901 fertiggestellt und ging im Februar in Förderung.

Zwischen 1906 und 1909 brachte die Gewerkschaft Hildasglück, Hardegsen, zwischen Volpriehausen und Ertinghausen  drei Probebohrungen nieder, die kalifündig wurden. Daraufhin wurde mit dem Bau eines zweiten Schachtes in einer Entfernung von ca 1800 m in Luftlinie vom Schacht  Justus I“  begonnen. Infolge der Kriegsereignisse und starker Wasserzuflüsse verzögerte sich die Fertigstellung der Schachtröhre und der Betriebsgebäude immer wieder. Erst im Jahre 1919 konnte der Schacht Hildasglück in Betrieb genommen werden. Die Schachtröhre hatte eine Teufe  von 949 m, die Hauptsohle wurde in 917 m Teufe angelegt.

Im Jahre 1921 erlangte die Burbach Bergbau AG Magdeburg die  Aktienmehrheit  der Bergbau AG Justus.  Sie wurde daraufhin in Bergbau AG Wittekind umbenannt. Im Rahmen der damit verbundenen Konzentrationsbestrebungen wurden von diesem Zeitpunkt an in den Werken Wittekind und Hildasglück nur noch Kainit und Steinsalz gefördert.
In der Zeit bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs waren ca 800 Betriebsangehörige auf beiden Werken tätig, von denen infolge der sich ständig verschlechternden Absatzlage  1937 nur noch 225 Betriebsangehörige  übrig geblieben waren.

Die überlieferten sozialen Strukturen des Dorfes brechen auf
Der Bau des Kaliwerks veränderte das Leben der Menschen in der Bollertregion mit ihren vier Dörfern Delliehausen, Gierswalde , Schlarpe und Volpriehausen nachhaltig. Der Bedarf an Arbeitskräften stieg  innerhalb kurzer Zeit dermaßen an, dass die lange Zeit brachliegenden einheimischen Reserven nicht mehr ausreichten, die Nachfrage zu decken. Hinzu kam, dass in der Region keine qualifizierten Arbeitskräfte für den Einsatz im Bergbau vorhanden waren. Aus dem Harz, dem Ruhrgebiet, dem Kalirevier bei Magdeburg – Aschersleben und aus Oberschlesien zogen zahlreiche arbeitslose Bergleute nach Volpriehausen und in die Nachbardörfer, um hier zu arbeiten. Unter ihnen befanden sich erstmals nach der Reformation auch  mehrere Katholiken. Die Bevölkerung Volpriehausens und der Nachbardörfer wuchs in einem atemberaubenden Tempo, wie die untenstehende Statistik zeigt.

Die Bevölkerungsentwicklung in den vier Bollertdörfern

Jahr 1895 1905
Delliehausen 507  636
Gierswalde 241 461
Schlarpe  458 691
Volpriehausen  436 1040

                                               

Die in Jahrhunderten gewachsenen sozialen Strukturen des Dorfes hielten diesem Ansturm und den damit verbundenen Veränderungen nicht stand und lösten sich auf. Viele landwirtschaftliche Hilfskräfte wie Knechte und Tagelöhner waren nicht länger bereit, für einen „Hungerlohn“ bei ihren alten Arbeitgebern  zu arbeiten. Sie zogen die Arbeit im Kaliwerk bei besserer Bezahlung und einer geregelten Arbeitszeit vor. Bei einer acht – bis neunstündigen Arbeitszeit im Kaliwerk verdienten sie im Jahre 1906  als Fördermänner im Gedinge 3,50 Mark Tagesschichtlohn, während sie in der Landwirtschaft bei einem 12 – 14 stündigen Arbeitstag bei freier Unterkunft und Verpflegung zwischen 1,20 und 1,50 Mark  verdienten.
Unterschiedliche Erfahrungen und Lebensweisen prallten bei den Einheimischen und Fremden  unvorbereitet aufeinander  und gestalteten das Zusammenleben nicht immer problemlos.  Innerhalb weniger Jahre nahm die Bevölkerung in einem Maße zu, dass sich die Einheimischen in die Rolle einer Minderheit im eigenen Dorf versetzt  sahen. Die „Neubürger“ beanspruchten mehr und mehr ihren Anteil an der Gestaltung des kulturellen und politischen Lebens im Dorf. Sie ließen sich bei Wahlen als Kandidaten aufstellen  und wurden schließlich von der neuen Bevölkerungsmehrheit in den Gemeinderat und sogar zum Gemeindevorsteher gewählt. Der größte Teil der Bergleute war im Allgemeinen deutschen Bergarbeiterverband organisiert.  Im Jahre 1906 kam es wegen geplanter Lohnkürzungen zu einem Streik der Bergleute, einer für  die übrige Dorfbevölkerung bisher unvorstellbaren Aktion von Ungehorsam. Der Streik endete nach drei Wochen mit der Entlassung der „Rädelsführer“ und zahlreicher Bergleute erfolglos.
Der Generaldirektor der Burbach Bergbau AG, Bergassessor a. D. Helmut Albrecht , der sich 1920 in Volpriehausen niedergelassen hatte, war sogar von 1920 bis 1932 Abgeordneter der DVP im Deutschen Reichstag.

Das Dorf verändert sein Aussehen
Anfangs wohnten die neu zugezogenen Bergleute auf den bäuerlichen Anwesen um die Kirche herum  zur Miete. Doch nach und nach verlor der alte Dorfkern  seine Funktion als  Mittelpunkt des Dorfes. Den Neubürgern blieb es verwehrt, dort Land oder Grundbesitz zu erwerben. Wer Bauland erwerben wollte, wurde an den Dorfrand  gedrängt, wo ihnen die Bauern  Bauland zur Verfügung stellten. Dort setzte bald eine rege Bautätigkeit ein. Zahlreiche Bergleute betrieben in ihrer wenigen freien Zeit auf gepachtetem Land anfänglich eine Nebenerwerbslandwirtschaft, um ein besseres Auskommen zu haben. Meistens handelte es sich dabei nur um  einen kleinen Gemüsegarten und eine oder zwei Ziegen ,“die Bergmannskuh“, wie sie von der übrigen Dorfbevölkerung etwas herablassend genannt wurde.

Für die Direktoren und leitenden Angestellten des Kaliwerks, „ die Beamten“ wurden im Auftrage der Werksleitung in unmittelbarer Nähe des Werks drei repräsentative Villen und drei größere Mehrfamilienhäuser gebaut, die heute noch den östlichen Teil des Dorfes  prägen.  Sie lebten dort weitgehend  vom Dorfgeschehen isoliert und pflegten den Lebensstil der „feinen Leute“. Den Direktoren standen drei werkseigene Autos als Dienstwagen zur Verfügung und in ihren Haushalten waren   Dienstmädchen, Köche , Gärtner und sogar Reitlehrer beschäftigt. Eine für Bergbauorte typische „Kolonie“, in der nur Bergleute wohnten, entstand in Volpriehausen nicht.
Die Reichsbahn baute nahe dem Bahnhof zwei Beamtenwohnhäuser, um für die dort tätigen 17 Beamten und Arbeiter  Wohnraum zu schaffen. Schon im Jahre  1905 hatte der Volpriehäuser Bahnhof  ein tägliches Aufkommen von mehr als 1000 Fahrgästen, hauptsächlich Pendlern aber auch Feriengästen, die hauptsächlich aus Westfalen anreisten. In den zwanziger Jahren war Volpriehausen  Mittelpunkt des Fremdenverkehrs im Ostsolling geworden. Das Güteraufkommen übertraf in dieser Zeit  sogar das der Stadt Uslar. In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg versandte das Kaliwerk jährlich mehr als 11.000 Waggons. Wegen der verkehrsgünstigen Lage zur Weser erwarb die Bergbau AG Wittekind im 18 km entfernten Flecken Bodenfelde ein Grundstück an der Weser und errichtete dort eine Verladeanlage für Kali. Von dort wurden ca 60 % der Kaliproduktion des Werkes „Wittekind“ auf Lastkähnen zu den Lagerhallen des Deutschen Kalisyndikats nach Bremerhaven transportiert.
Bereits im Jahre 1900 wurde der Gasthof zum Sollinger Wald mit komfortablen Fremdenzimmern an der Hauptsraße eröffnet, da die vorhandenen Gästezimmer in den Gastwirtschaften zur Linde, Fricke und  Koch nicht mehr ausreichten. Wenige Jahre später wurde neben dem Bahnhof eine weitere Pension,  das Gasthaus zum Bahnhof, gebaut. Das Gasthaus zur Linde entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Treffpunkt und Vereinslokal  der Bergarbeiter, während die Beamten des Kaliwerks den Gasthof zum Sollinger Wald bevorzugten.
Im Jahre 1903 erhielten auf Anordnung der Kreisbehörde die vier wichtigsten Straßen im Dorf Namen  und wurden durch Schilder kenntlich gemacht. An den Straßen wurde Straßenlaternen aufgestellt, die von der elektrischen Zentrale  des Kaliwerks mit Strom versorgt wurden. 1905 war die erst 1889 erbaute Schule zu klein geworden. Nahe dem Rehbach entstand ein großzügiger Neubau, der noch heute als Grundschule genutzt wird. Nach einer Typhusepidemie im Jahre 1905 erhielt das Dorf eine zentrale Wasserversorgung, die aus dem Quellgebiet der Brunie im Nachbardorf Delliehausen gespeist wurde.
Das Steueraufkommen der Gemeinde verbesserte sich erheblich  und übertraf zeitweise sogar das der Kreisstadt Uslar. Die Landwirte, unter deren Besitz Salz gefördert wurde, erhielten nach altem hannoverschen Eigentümerrecht als Entschädigung einen  Förderzins, der pro Doppelzentner Steinsalz zwei Pfennig und pro Doppelzentner Kalisalz vier Pfennig betrug. Nach der Annexion Hannovers durch Preußen im Jahre 1866 war  das damals geltende hannoversche Grundeigentümerrecht, das das Eigentum an Bodenschätzen und Mineralien dem Grundeigentümer zugestand, unverändert geblieben,
Im Jahre 1904 wurde zur schnelleren Erfassung und Versteuerung des geförderten Steinsalzes im Ort sogar ein Preußisches Salzsteueramt mit zwei Beamten eingerichtet. Seit etwa der gleichen Zeit bestand in Volpriehausen  ein Gendarmerieposten zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung, der mit einem Fußgendarmeriemeister besetzt war.

Eine Zeit der kulturellen Blüte
Von der Jahrhundertwende bis zum Ende der zwanziger Jahre erlebte das Vereinsleben im Dorf eine kaum vorstellbare Blütezeit. Durch den Zuzug hunderter von Menschen aus vielen Teilen Deutschlands erhielt das Dorfleben mannigfache neue Impulse. Vor dem Bau des Kaliwerks gab es im Dorf nur den Männergesangverein „Concordia“, der im Jahre 1869 gegründet worden war, und den Turnverein. Nun wurden zahlreiche neue Vereine gegründet. In ihnen spiegelte sich  deutlich erkennbar die veränderte gesellschaftliche Struktur des Dorfes wider. Zwar standen die meisten Vereine allen Einwohnerschichten offen, doch überwogen die Arbeiter  – und Geselligkeitsvereine . In ihnen wurden vor allem die bergmännischen Traditionen gepflegt. 1898 wurde der Bergmannsverein „Glückauf“ gegründet, zwei Jahre später die Bergkapelle  und der Bergmannsverein „Schlegel und Eisen“. Seit 1901 fanden jährlich Bergfeste statt. Sie begannen mit einem Kommers , dem ein Festgottesdienst und ein Festumzug durch das Dorf folgten. Ein Festball und ein vom Kaliwerk gestiftetes Feuerwerk bildeten gewöhnlich den Abschluss. Die Bergkapelle hatte sich unter ihrem fachlich hervorragenden Dirigenten  Herlitz bald auch außerhalb des Dorfes einen Namen gemacht. Berühmte Dirigenten und Solisten aus Italien und Frankreich gaben zusammen mit der Bergkapelle in der Kirche begeistert aufgenommene Konzerte. Auch Ensembles norddeutscher Tourneetheater kamen immer wieder zu Gastspielen nach Volpriehausen. Ihre Aufführungen fanden auf dem Saale der Gastwirtschaft zur Linde statt.

Neben den bergmännischen Traditionsvereinen spielte der Arbeiter – Radfahrerverein eine wichtige Rolle bei der Erkundung der neuen Heimat durch die Neubürger. Auch in den Nachbarorten Schlarpe und Hardegsen, in denen viele Bergleute wohnten, wurden Bergmannsvereine gegründet. 1905  gründete der Volpriehäuser Pastor Engel den kirchlichen Posaunenchor, in dem auch mehrere Mitglieder der Bergkapelle  spielten. In den folgenden Jahren wurden der Kriegerverein, der Schützenverein, der Verkehrsverein und der Junggesellenverein gegründet.
Dem Club Eintracht, dem Gustav – Adolf – Verein gehörten Mitglieder der Mittel – und Oberschicht an. Frauen nahmen am Vereinsleben des Heimatvereins  und des Gustav – Adolf – Vereins  teil. Sie engagierten sich aber vor allem in der Wohlfahrtspflege und gründeten einen Zweigverein des Vaterländischen Frauenvereins vom Roten Kreuz.

Das Ende des Salzbergbaus
Anfang der zwanziger Jahre führten die zunehmende Überproduktion von Kalisalzen,  Mechanisierungsmaßnahmen und ein starker Rückgang des Exports zu Entlassungen und Werksschließungen. Von den ursprünglich vorhandenen 217 Kalibergwerken waren im Jahre 1927 nur noch 61 mit insgesamt 22 107 Arbeitsplätzen übriggeblieben., darunter auch  die Doppelschachtanlage  „Wittekind – Hildasglück“ in Volpriehausen. Dies war vor allem dem Generaldirektor der Burbach Bergbau AG Helmut Albrecht zu verdanken. Er hatte sich allen Versuchen, das Werk „Wittekind – Hildasglück“ wegen der nur noch schwer abbaubaren Salzlager stillzulegen, widersetzt . Von benachbarten Werken der Burbach  A G ließ Albrecht zeitweise sogar  mit der Bahn Rohsalz zur weiteren Verarbeitung nach Volpriehausen bringen. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass  die Selbstkosten häufig die späteren Erlöse überschritten. Um Wittekind zu erhalten, mussten weit bessere Werke ihre Produktion einstellen.

Anfang der dreißiger Jahre verschlechterte sich die Absatzlage im deutschen Kalibergbau dramatisch. Auch in Volpriehausen mussten viele Bergleute entlassen werden. In den Jahren 1932 und 1933 befand sich nur noch eine Stammmannschaft von etwa 220 Bergleuten im Werk, die im Sommer bis zu acht Wochen Feierschichten einlegen musste.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten musste das Werk aus politischen Gründen wieder zahlreiche Neueinstellungen vornehmen. Im Jahre 1937 arbeiteten 600 Arbeiter und Angestellte in beiden Werken.  Die wirtschaftliche Lage des Werkes verbesserte sich allerdings nicht.  Generaldirektor Albrecht bot schließlich 1937 in einem Schreiben an das Oberbergamt Clausthal an, dem Oberkommando der Wehrmacht das Werk „Wittekind – Hildasglück“ zur Verfügung zu stellen, um so wenigstens 120 Arbeitsplätze zu erhalten.
Die beschleunigte Aufrüstung des Heeres und anderer Waffengattungen schon bald nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten kam seinen Absichten dabei sehr entgegen. Nach erfolgreichen Munitionslagerversuchen  waren nämlich bereits 1934 mehrere stillgelegte Salzbergwerke vom Oberkommando der Wehrmacht für die Munitionslagerung übernommen worden. Infolge der immer weiter zunehmenden Waffen – und Munitionsproduktion reichten 1937 die vorhandenen Lagerkapazitäten nicht mehr aus. Das Oberkommando der Wehrmacht trat deshalb in Verhandlungen mit der Burbach Bergbau AG ein, mit dem Ziel das Werk „Wittekind – Hildasglück“ und andere stillgelegte Salzbergwerke für die Munitionslagerung zu übernehmen. Nach Abschluss der Verhandlungen wurden vom 1. Juli 1937 bis zum 31.12.1953 die Über – und Untertageanlagen des Kalisalzbergwerks „Wittekind – Hildasglück“ an die Deutsche Wehrmacht verpachtet, um dort eine Heeresmunitionsanstalt (Bw) zu errichten. Dadurch konnten die Arbeitsplätze von  120 Bergleuten  erhalten werden, die übrigen Bergleute fanden Arbeit auf den Werken in Reyershausen, Sehnde und sogar in Buggingen / Baden.
In der Nacht vom 29. auf den 30. Oktober 1945 kam es zu heftigen Explosionen im Untertagebereich beider Schachtanlagen, die nach Berichten des Bergamts Clausthal auf den Austritt größerer Mengen von Methangas zurückzuführen sind. Dabei explodierten unter Tage zwischen 15 und 20.000 to noch eingelagerter Munition,  zahlreiche zum Schutz vor Bombenangriffen eingelagerte Archivalien und  Kunstschätze wurden vernichtet
Im Herbst 1946 mussten beide Schachtanlagen wegen andauernder  starker Wassereinbrüche aufgegeben werden.

Quellen und Literatur:
Archiv des Kalibergbau – Museums (AKBM)

  1. Bestand  I: Die Bergbau AG Justus I / Wittekind
  2. Bestand II: Die Heeresmunitionsanstalt (Bw) Volpriehausen

Niedersächsisches Hauptstaatsarchiv Hannover (Nds. HstA H)

  1. Hann 180 Hildesheim
  2. Nds. 211 Hildesheim

Literatur:

Deutscher Bergarbeiterverband, Flugblatt: An alle Bergarbeiter, Hannover 1906

Fachzeitung „Industrie“ (Sonderdruck), Deutsche Kali Industrie, Berlin 1906

Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, IX Provinz Hannover, Berlin 1897

Gemeindelexikon für die Provinz Hannover, Berlin 1908

Herbst Detlev: 750 Jahre Volpriehausen – Aus der Geschichte unseres Dorfes
Göttingen 1983

Herbst Detlev: Die Nutzung stillgelegter Kalibergwerke als Munitionsanstalten: Die Heeresmunitionsanstalt Volpriehausen in Kali und Geschichte 2. Jhg. , Heft 2, 2002

Herbst Detlev: Salzbergbau am Solling – Das Kali – und Steinsalzbergwerk Wittekind – Hildasglück in Volpriehausen  in Schlegel, Birgit (Hg.) Industrie und Mensch in Südniedersachsen – vom 18. bis zum 20 Jahrhundert, Duderstadt 2003

Herbst Detlev: Festschrift 750 Jahre Volpriehausen 1242 – 1992 Die örtlichen Vereine,
Volpriehausen 1992

Slotta, Rainer: Technische Denkmäler in der Bundesrepublik Deutschland , Band 3,
Die Kali – und Steinsalzindustrie
Bochum 1980

Von Stempel (Hg.)  Monographien deutscher Landkreise, Band VI, Der Kreis Uslar,
Berlin-Friedenau 1931