Das verschollene Bernsteinzimmer

Die Suche nach dem Bernsteinzimmer
BSCH – Die Spur, die nach Volpriehausen führt

Detlev Herbst

Das Bernsteinzimmer gilt seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs offiziell als verschollen.
Die Suche nach kaum einem anderen Kunstwerk hat seitdem so viele Menschen bewegt, für soviel politischen Wirbel im geteilten wie auch im vereinigten Deutschland gesorgt und so viele Amateur – Schatzsucher auf den Plan gerufen . In den Jahren 1980 bis 1986 suchte ich zusammen mit dem Amateurhistoriker Georg Stein nach Spuren, die nach Volpriehausen führten, und nach noch lebenden Zeitzeugen. Wir sicherten ihre Aussagen und wichtige Unterlagen und Dokumente und werteten sie aus. Wir wandten uns auch an die Bundestagsfraktionen und die Bundesregierung , um die Einrichtung einer staatlichen Kommission zu erreichen, die sich mit der Suche nach dem Bernsteinzimmer befassen sollte. All diese Bemühungen blieben jedoch leider erfolglos.
Die zweiteilige Dokumentation des ZDF im März / April und der ARD Ende Mai sowie die Fertigstellung des neuen Bernsteinzimmers Ende Mai 2003 werden die Diskussion über den Verbleib des Bernsteinzimmers wieder neu aufleben lassen. Ich hoffe, dass meine Dokumentation zumindest für die Spur „Volpriehausen“ mit dazu beitragen kann, die eigentlichen Fakten wieder mehr in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken.
Nach einem Rückblick auf die wechselvolle Geschichte des Bernsteinzimmers steht in meiner Dokumentation die ausführliche Darstellung der Geschehnisse im Vordergrund, die bisher immer wieder mit der möglichen Einlagerung von Teilen des Bernsteinzimmers in Volpriehausen in Verbindung gebracht werden. Ich habe bei meinen Recherchen die für mich erreichbaren Unterlagen der Universität Göttingen und des Kalibergbau – Museums Volpriehausen ausgewertet und die wichtigsten Erkenntnisse aus den gut recherchierten Veröffentlichungen Enkes und Wermuschs und Remys mit einbezogen.

Das Bernsteinzimmer
Anlässlich seiner Krönung im Jahre 1701 hielt sich König Friedrich I von Preußen . längere Zeit in Königsberg auf. Die Kunstfertigkeit der dort ansässigen Bernsteinschnitzer und das seit Jahrhunderten bestehende Bernsteindepot der Ordensritter, das zu dieser Zeit wohlgefüllt war, sollen ihn besonders beeindruckt haben.. Noch im selben Jahr beauftragte er den in Königsberg wirkenden dänischen Bernsteinschneider Gottfried Wolffram , eine Bernsteintäfelung für sein Tabakskabinett im Schloss Charlottenburg anzufertigen. Wolffram fiel jedoch 1707 in Ungnade, da er für die preussische Staatskasse zu teuer war.
Daraufhin wurden die beiden Danziger Bernsteindrechsler Ernst Schacht und Gottfried Turau damit beauftragt, die Arbeiten an der Bernsteintäfelung fortzusetzen. Nach ihrer Fertigstellung im Jahre 1711 wurde die Bernsteintäfelung nicht, wie ursprünglich vorgesehen, im Schloss Charlottenburg installiert sondern in einem Eckraum im dritten Stock des Stadtschlosses in Berlin. Das Bernsteinzimmer bestand aus zehn Sockelstücken mit einer einheitlichen Höhe von 0,85 m, ihre Breite war der der einzelnen Wandfelder angepasst. Die Höhe der zwölf Wandfelder betrug 3, 90 m , die Gesamthöhe der Sockel – und Wandfelder demnach 4,75 m. Die Breite der Wandfelder und dazugehörigen Sockelteile lag zwischen 0,80 m und 1,50 m. Der Bau der Bernsteintäfelung kostete insgesamt ca 30.000 Taler.
Im Februar 1713 starb Friedrich I. Sein Nachfolger Friedrich Wilhelm I, später der „Soldatenkönig“ genannt, hatte für den Kunstsinn seines Vaters wenig Verständnis, für ihn stand die Förderung des Militärs im Vordergrund. Dafür war er sogar bereit, Kunstschätze zu veräußern.

Ein Geschenk für den russischen Zaren
Der russische Zar Peter I hatte bei einem Besuch in Berlin im Jahre 1712 Gefallen an dem Bernsteinkabinett gefunden. Friedrich Wilhelm I machte es ihm daraufhin im Jahre 1716 zum Geschenk, als es endlich zum lange angestrebten politischen Bündnis zwischen Russland und Preußen gegen Schweden gekommen war. Im April 1717 wurde das Bernsteinkabinett, in 18 Kisten verpackt, nach St. Petersburg transportiert und dort zuerst im alten Winterhaus, sechs Jahre später im Neuen Winterpalais eingebaut. Von dort kam es 1755 in das Katharinenpalais nach Zarskoje Selo, der Sommerresidenz der Zarenfamilie. Der für die Aufnahme der Bernsteintäfelung vorgesehene Saal war jedoch erheblich größer als das Tabakskabinett Friedrichs I . Mehr als acht Jahre waren der mit dem Einbau beauftragte Hofarchitekt Bartolomeo Francesco Rastrelli, der Italiener Martelli und fünf Königsberger Bernsteinmeister damit beschäftigt, die alten Teile des Bernsteinkabinetts unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit mit 24 venezianischen Spiegelpilastern, Florentiner Steinmosaikbildern und vergoldeten Holzornamenten über den Türen zu verbinden.
Aus dem Bernsteinkabinett des preussischen Königs war das Bernsteinzimmer entstanden.

„Sicherstellung“ des Bernsteinzimmers
Am 22. Juni 1941 begann auf Befehl Hitlers die Operation „Barbarossa“, der Überfall auf die Sowjetunion. Mitte September hatte die Heeresgruppe Nord den Leningrad vorgelagerten Grüngürtel mit seinen zahlreichen Schlössern erreicht. Dazu gehörte auch Puschkin, das frühere Zarskoje Selo. Die Russen hatten bis zu diesem Zeitpunkt die meisten Kunstschätze aus den Schlössern vor den anrückenden deutschen Soldaten in Sicherheit gebracht. Das Bernsteinzimmer war jedoch im Katharinenpalais zurückgeblieben und lediglich mit einem Splitterschutz versehen worden. Das Schloss fiel, von Beschädigungen des großen Saals durch eine Fliegerbombe abgesehen, im großen und ganzen unversehrt in die Hände der deutschen Truppen. Die Stäbe des 28.. Armeekorps und des 41. Panzerkorps ließen sich dort jeweils für kürzere Zeit nieder und nutzten das kostbare Mobiliar als Gebrauchsmöbel. Dabei kam kam es zu Beschädigungen der Bernsteinschnitzereien. Ab Oktober 1941 lag Puschkin im Befehlsbereich des 50. Armeekorps. Im Tagebuch der 18. Armee heißt es in einer Eintragung vom 29. September 1941: „Rittmeister Graf Solms, vom OKW (Oberkommando der Wehrmacht) mit Erfassung der Kunstgegenstände in den Zarenschlössern beauftragt, bittet um Schutz für das Zarenschloss Puschkin, das durch Bombentreffer leicht zerstört und zur Zeit in vorderster Linie durch unachtsames Verhalten der Truppe gefährdet ist. Mit der Sicherung wird L.A.K. (50. Armeekorps) beauftragt.“ Graf Solms war Kunstwissenschaftler und wohl im Auftrage des „Einsatzstabes Rosenberg“ damit beschäftigt, Kunstgegenstände im Bereich Leningrad aufzuspüren und „sicherstellen“ zu lassen.
In den Eintragungen in den Kriegstagebüchern des 50. Korps finden sich für den 1. 10.und 14. 10. Hinweise auf die „Sicherstellung“ des Bernsteinzimmers.
„1.10. Krasnogwardeisk: Zur Sicherstellung der Kunstgegenstände im Befehlsbereich des L.A.K. (50. Armeekorps) sind vom A.O.K 18 Rittmeister Dr. Graf Solms und Hptm. Dr. Pönsgen eingesetzt.
14.10. Krasnogwardeisk: Abtransport der durch die Kunstsachverständigen Rittmeister Dr. Graf Solms und Hptm. Dr. Pönsgen in Gatschina und Puschkin sichergestellten Kunstgegenstände, u.a. der Wandbekleidung des Bernsteinsaales aus Schloss Puschkin (Zarskoje Selo), nach Königsberg .“
Mit dem Bernsteinzimmer, das in 27 Kisten verpackt gewesen sein soll, wurden weitere Kunstgüter des Katharinenpalais nach Königsberg gebracht. Für die „Sicherstellung“ des Bernsteinzimmers nach Königsberg gab es keine frontbedingte Notwendigkeit. Doch wie die Berichte von Soldaten zeigen , war es tatsächlich durch das Verhalten der deutschen Soldaten akut gefährdet.

Das Bernsteinzimmer in Königsberg
Gegen Ende des Jahres 1941 erreichten die Lastkraftwagen mit den Kunstschätzen aus den Schlössern bei Leningrad das Königsberger Schloss. Die Kunstschätze wurden in das Schloss gebracht. Nur das Bernsteinzimmer wurde im Raum 37 im dritten Stock des Schlosses aufgestellt und war dort bis März 1944 der Öffentlichkeit zugänglich. Es konnte allerdings nicht vollständig aufgebaut werden, da der dafür vorgesehene Raum zu klein war. Die großen venezianischen Spiegel und die dazugehörigen Sockelplatten mussten im Keller gelagert werden.
Am 27. und 29. August wurden infolge von zwei verheerenden Bombenangriffen der Briten ca 40 % der Stadt Königsberg zerstört. Das Schloss brannte völlig aus. Nach Aussagen Rohdes, des Direktors der Staatlichen Kunstsammlungen in Königsberg, gegenüber der Schlossverwalterin Hirschmann-Krüger waren bei diesen Bombenangriffen das Bernsteinzimmer und die Sockelplatten verbrannt „Alles ist hin!“ hat er sich ihr gegenüber geäußert. In einem Brief an den Direktor der Berliner Gemäldegalerie vom 2. September 1944 schreibt er allerdings, dass nur sechs Sockelplatten verbrannt sind und das Bernsteinzimmer erhalten geblieben ist. Dr. G. Strauss, ein Beamter des Königsberger Provinzialdenkmalamtes will das Bernsteinzimmer noch am 30. August, in Kisten verpackt, auf dem Hof des Schlosses gesehen haben. Rohde erzählte ihm, dass es im Keller des Schlosses die Bombenangriffe überstanden habe, in denen die Kisten durchaus Platz gefunden haben könnten.Unter dem Schloss befanden sich zahlreiche sehr unübersichtlich angeordnete Gewölbekeller Der ehemalige Schlossoberinspektor Henkensiefken berichtet, dass das Bernsteinzimmer noch rechtzeitig in den Hochbunker im Botanischen Garten gebracht worden war.
Hier verlieren sich die Spuren des Bernsteinzimmers in Königsberg, und hier beginnt auch das kaum noch zu entwirrende Knäuel von Gerüchten und Widersprüchen, die bis heute nicht geklärt werden konnten.

Die geheimnisvollen Dokumente des „Georg Ringel“
Im Winter 1947 oder 48 fand Rudolf Wyst in einem Schuppen auf dem elterlichen Grundstück im sächsischen Crimmitschau eine Kartentasche seines Vaters in einem Sack mit feuchter Braunkohle. Sein Vater Gustav Wyst war Sturmbannführer der SS in Königsberg gewesen und im Oktober 1947 gestorben . In der Tasche befanden sich feucht gewordene Papiere, auf denen mehrmals der Name Königsberg erwähnt wurde. Nachdem Rudolf Wyst ein paar Seiten gelesen hatte, verbrannte er die Tasche mit den Papieren, da er nichts damit anfangen konnte. Aufgrund eines Artikels über die Suche nach dem Bernsteinzimmer in der Illustrierten „Freie Welt“ im Jahre 1959 meldete sich Rudolf Wyst bei den Behörden. Er erinnerte sich an die Papiere und Erzählungen seines Vaters, der ihm kurz vor seinem Tode noch anvertraut hatte, dass er das Bernsteinzimmer verborgen habe. Rudolf Wyst bat im Falle einer Veröffentlichung darum, anstelle des wirklichen Namens seines Vaters ein Pseudonym zu verwenden. So kam es dazu, dass sein Vater nur unter dem Namen „Georg Ringel“ genannt wurde. Die „Freie Welt“ informierte damals auch die sowjetischen Behörden, die Wyst in Moskau und Kaliningrad (Königsberg) befragten. Dabei wurde gemeinsam der Inhalt der verbrannten Papiere rekonstruiert, soweit das noch möglich war. Die schriftliche Abfassung erfolgte in russischer Sprache und kyrillischer Schrift. Die Übersetzung ins Deutsche ergab folgenden Wortlaut (zitiert nach Wermusch):

I Befehl an Sturmbannführer Wyst:
Vorausichtlich gilt für Königsberg bald Unternehmen Grün. Deshalb haben sie die Aktion Bernsteinzimmer durchzuführen und es in das Ihnen bekannte BSCH zu bringen… Nach Ausführung der Operation sind Zugänge zu tarnen und Gebäude zu sprengen.

II An Transportführer.
30 Kisten Bernsteintafeln und Kisten der Bernsteinsammlung laut Befehl des RSHA (Reichssicherheitshauptamt) übergeben.
Unterschrift der Wache
Transport empfangen : Gustav Wyst

III An Reichssicherheitshauptamt
Befehl ausgeführt. Aktion Bernsteinzimmer beendet. Zugänge befehlsgemäß getarnt. Sprengung erfolgt. Opfer durch Feindtätigkeit. Melde mich zurück.
Gustav Wyst

Beamte des Ministeriums für Staatssicherheit und des KGB befassten sich eingehend mit den Aussagen Wysts und hielten sie im großen und ganzen für glaubwürdig.
Auf die Veröffentlichungen dieser neuen Erkenntnisse gingen zahlreiche Zuschriften ein, die sich vor allem auf die Deutung des Kürzels BSCH bezogen und Orte wie Bad Schlema oder Burg Schönfels nannten. Paul Enke , der Verfasser des „Bernsteinzimmer – Report“ und auch der Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“ Karl – Heinz Janßen äußerten jedoch schon bald Zweifel an der Richtigkeit dieses Kürzels , denn auf russischen Schreibmaschinen wird die römische Zahl III mit dem kyrillischen Buchstaben für „sch“ geschrieben. Durch diese Neuinterpretierung ergaben sich neue Hinweise, wie z. B. auf B III , eine Bunkeranlage im Königsberger Stadtteil Ponarth nahe der dortigen Brauerei, und auf S III. Hinter diesem Kürzel verbargen sich die Baumaßnahmen für das letzte Führerhauptquartier „Olga“ im Jonastal bei Arnstadt in Thüringen, das in Stollen im dortigen Kalkmuschelgebirge errichtet werden sollte. Die Suche an beiden Orten erwies sich aber als erfolglos.

Georg Steins Spur „BSCH.W.V. führt nach Volpriehausen
Georg Stein, gebürtig aus Königsberg, besaß große Obstplantagen bei Stelle im Alten Land und betätigte sich sehr engagiert als privater Forscher und unermüdlicher Sucher nach dem Bernsteinzimmer. . Das Schicksal des Bernsteinzimmers ließ ihn nicht mehr los , es wurde für ihn zur Lebensaufgabe. Er unternahm alles Menschenmögliche, um es wieder aufzufinden und den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben. Als er von dem Kürzel BSCH erfuhr, erweiterte er es noch um die Buchstaben W.V. auf BSCH.W.V.
Die Nachforschungen nach vermissten Kunstschätzen ergaben, dass in der Endphase des Zweiten Weltkriegs zahlreiche Kunstschätze in ehemaligen Salzbergwerken eingelagert worden waren. Das bekannteste Beispiel ist wohl Merkers in Thüringen, in dem der Goldschatz der Deutschen Reichsbank versteckt worden war. Stein ging davon aus, dass auch das Bernsteinzimmer in einem Salzbergwerk eingelagert worden sein könnte. Die Buchstaben BSCH.W.V. ließen sich unschwer dem „Burbach Schacht Wittekind Volpriehausen“ zuordnen. Anfänglich ging Stein vom B – Schacht Wittekind aus. Diese Bezeichnung hat es jedoch nie gegeben, wie die noch vorhandenen Pläne und Schriftstücke u. a. auch im Bergbaumuseum in Volpriehausen zweifelsfrei beweisen.

Die Einlagerung wertvollen Kulturguts im ehemaligen Salzbergwerk „Wittekind“
Das Kali – und Steinsalzbergwerk „Wittekind“ in Volpriehausen stellte im August 1938 seine Förderung ein, da die Burbach Bergbau AG in Magdeburg das Werk an die deutsche Wehrmacht verpachtet hatte. Wie in zahlreichen anderen stillgelegten Salzbergwerken sollte dort eine Heeresmunitionsanstalt eingerichtet werden. Auf den 540 m und 917 – Sohlen wurden zu diesem Zweck insgesamt etwa 300 Lagerkammern für Munition in das Steinsalz gesprengt, die ca 30.000 t Munition aufnehmen sollten.
Im Laufe des Kriegs wurden in mehreren stillgelegten Bergwerken, vor allem in Salzbergwerken, wertvolle Kultur – und Kunstgegenstände aus Museen, Archiven und Bibliotheken aus Luftschutzgründen eingelagert. Diese Art der Unterbringung wurde deshalb gewählt, weil eine vor Bombenangriffen sichere Unterbringung in über der Erde gelegenen Gebäuden nicht möglich war. Die in den Städten zur Verfügung stehenden Bunker waren nur zur Aufnahme von gefährdeten Personen bestimmt.
Anfang März 1944 begann auch die Universität Göttingen damit, Auslagerungen von Bibliotheksgut und Sammlungen der verschiedenen Universitätsinstitute vorzunehmen. Wegen der geringen Entfernung bot sich die Einlagerung im ehemaligen Salzbergwerk Volpriehausen an.

Aus einer maschinengeschriebenen Aufstellung des Direktors der Universitätsbibliothek vom 20. 5. 1946 an den britischen University Control Officer geht hervor, dass der erste Eisenbahnwaggon mit Bibliotheksgut am 7.3. 1944 dort eintraf. Der Aufstellung waren handschriftliche Listen und eine Lageskizze beigefügt. In Abständen von jeweils zwei bis vier Tagen folgten weitere 23 Eisenbahnwaggons . Der letzte Transport traf am 27. 5.in Volpriehausen ein. Ausgelagert wurden im einzelnen Bibliotheksgut und Sammlungen folgender Institute : Völkerkundliches Institut, Kunstgeschichtliches Seminar, Seminare für klassische Philologie, Englisches Seminar, Geographisches Seminar, Mathematisches Institut, Landwirtschaftliche Institute, Sinologisches Seminar, Musikwissenschaftliches Seminar, Medizinische, Chirurgische, Augen, Ohren – und Frauenkliniken, Hygieneinstitut, Theologisches, Zoologisches ,Geologisches und Mineralogisches Seminar, Anatomie, Pathologie, Gerichtsmedizin, Botanisches , Tierärztliches, Orientalistik Seminar, Chemisches Institut, Forstwissenschaftliche Fakultät, Seminar für Betriebslehre und Rechtswissenschaftliches Seminar. Weiterhin befanden sich Sammlungen und Hausrat von Privatleuten, Bibliotheken der Göttinger Gymnasien, Akten des Studentenwerks in diesen Transporten.
Die Eisenbahnwaggons wurden auf dem Gelände der Heeresmunitionsanstalt entladen , und die Bücher und Sammlungen mit den Förderkörben auf die 660 m – Sohle gebracht. Dort wurden sie auf Holzpaletten , die nur notdürftig zum Schutz gegen den Salzstaub abgedeckt waren, gelagert. Nach vorsichtigen Schätzungen, eine genaue Aufstellung der ausgelagerten Zeitungs – und Buchbestände konnte in der Eile nicht aufgestellt werden, wurden etwa 360 000 Bücher in Volpriehausen eingelagert.
Des weiteren wurden in den folgenden Monaten Kirchenfenster, Münzsammlungen, Archive aus Uslar, Göttingen, Northeim und Moringen , aber auch ein LKW mit Verwaltungsakten der Kreisverwaltung des Rees – Kreises am Niederrhein und auch aus polnischen Schlössern geraubtes Kulturgut in Volpriehausen zur Einlagerung gebracht.

Die Bernsteinsammlung der Universität Königsberg
Im Jahre 1879 beschlossen die Besitzer der Firma Stantien & Becker, die in Königsberg mit Bernstein handelte, alle irgendwie wissenschaftlich interessanten Bernsteinstücke vom Handel auszuschließen und sich selbst eine Sammlung anzulegen. Als die Firma 1901 in den Besitz des Preussischen Staates überging, wurde die Sammlung in das Mineralogisch – geologische Institut der Albertus – Universität überführt. Sie bildete dort den Hauptteil der Bernsteinsammlung. Die Bernsteinsammlung der physikalisch – ökonomischen Gesellschaft zu Königsberg kam 1906 in den Besitz der Universität. Ihr Kustos war Klebs, der selbst eine bedeutende Privatsammlung von etwa 11.000 Inklusen ( Bernsteinstücke mit Einschlüssen) besaß. Nach der Einrichtung des Geologisch – Paläontologischen Instituts an der Universität Königsberg wurde die vorhandene Bernsteinsammlung diesem Institut angegliedert und 1926 noch um die vom preussischen Staat angekaufte Privatsammlung des Kustos Klebs erweitert. Sie war mit ihren mehr als 100.000 Bernsteinstücken die bedeutendste Bernsteinsammlung ihrer Zeit geworden. Die Königsberger Bernsteinsammlung war in der Langen Str. 4 in Königsberg untergebracht. Ihr Direktor war Professor Andree, der in Göttingen studiert hatte.

Die Einlagerung von Teilen der Bernsteinsammlung in Volpriehausen
Im Sommer 1944 musste bei der Entwicklung der militärischen Lage damit gerechnet werden, dass die Provinz Ostpreußen Kampfgebiet werden würde. Deswegen begann man verstärkt nach sicheren Einlagerungsmöglichkeiten außerhalb Ostpreußens für die zahlreichen schützenswerten Kunstschätze zu suchen. Da die Albertus – Universität seit langer Zeit partnerschaftliche Kontakte zur Georg – August – Universität Göttingen pflegte, führte Universitätsinspektor Schütze im Herbst 1944 im Auftrag des Kurators der Albertus – Universität mit Vertretern des Göttinger Universitätskuratoriums Gespräche über die Auslagerung wertvoller Sammlungsgegenstände der Universität. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Auslagerung eines Teils der Bernsteinsammlung des Geologisch – Paläontologischen Instituts der Universität. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits die wertvolleren Bücher – und Sammlungsbestände der Universität Göttingen nach Volpriehausen ausgelagert worden, da sie in Göttingen nicht ausreichend gegen Luftangriffe geschützt werden konnten. Einige Tage nach dieser Besprechung wurde der Materialverwalter des Paläontologischen Instituts Oumard im Auftrag von Professor Andree mit zwei kleineren Holzkisten, die in Koffern untergebracht waren, zuerst nach Göttingen und von dort nach Volpriehausen geschickt. Oumard traf wohl am 7. 11. In Volpriehausen ein und übergab die beiden Holzkoffer Hauptmann Peters, dem Leiter der Heeresmunitionsanstalt .Sie wurden sofort von Obersteiger Marahrens an einer unzugänglichen Stelle auf der 660 – m – Sohle eingelagert. Dieser Sachverhalt wird durch ein vertrauliches Schreiben des Kurators der Universität Königsberg vom 1. November 1944 bestätigt, das Oumard übergab.
Im selben Schreiben wird darum gebeten, „ …die in den nächsten Tagen eingehenden Kisten mit unersetzlichen Kunstgegenständen der Universität Königsberg anzunehmen und der Heeresmunitionsanstalt zur Aufnahme in dem stillgelegten Kalischacht weiterzuleiten. Es scheint zweckmäßig, die Kisten, die wertvollstes Gut enthalten, während des Versandes nicht mit der Aufschrift „Heeresmunitions – Anstalt“ zu versehen, um nicht die Aufmerksamkeit Unbefugter in besonderem Maße auf diese Kisten zu lenken, zumal der Inhalt mit hohem Wert versichert wird.“
Oumard suchte nach der Übergabe der Kisten noch den Volpriehäuser Bürgermeister Warnecke auf und informierte ihn über den geplanten Transport . Es wurde dabei vereinbart, die Kisten an den Bürgermeister zu adressieren und sie nach ihrer Ankunft zur Einlagerung in den Kalischacht weiterzuleiten.
Nach der Rückkehr Oumards wurden im November oder Anfang Dezember zwei, möglicherweise auch drei, Kisten mit Teilen der Bernsteinsammlung und außerdem noch drei oder vier Kisten mit Teilen der Kupferstichsammlung der Universität nach Volpriehausen abgeschickt. Der Versand der Kisten erfolgte mit der Bahn. Bis Ende Januar 1945 lag in Königsberg noch keine Empfangsbestätigung vor. Auf dem bereits erwähnten Schreiben vom 1. November 1944 befindet sich auf der zweiten Seite allerdings eine mit dem 4. 1. 45 datierte Empfangsbestätigung „Die Unterbringung des Königsberger Bergungsgutes ist vollzogen“. Sie kann sich meiner Meinung nach nur auf die angekündigten Kisten vom November / Dezember 1944 beziehen.

Der Volpriehäuser Bürgermeister Warnecke, hatte, wie er mir 1982 selbst erzählte, die an ihn adressierte Sendung zusammen mit dem Oberschirrmeister Hartmann in Empfang genommen.
Hartmann war in der Heeresmunitionsanstalt für die Annahme der Munitions – und Einlagerungstransporte über Tage zuständig. Nach Aussagen Warneckes befanden sich in dem Eisenbahnwaggon 12 schwere Kisten mit folgenden ungefähren Abmessungen: 180 x 90 x 40 – 80. Die Kisten waren mit Bandeisen bewehrt. Nach Aussagen sowjetischer Wissenschaftler waren diese Kisten zu klein, um Paneelen des Bernsteinzimmers aufzunehmen, und zu groß für die Aufnahme von Sockelteilen. Es sei denn, man hätte die Paneelen zersägt, was ihrer Zerstörung gleichgekommen wäre.
Hartmann datiert nach seinen Erinnerungen die Ankunft dieses Waggons allerdings auf Februar 1945. Er erinnerte sich nicht mehr an die genaue Anzahl der Kisten, nur daran, dass er voll beladen war. In einer Mappe mit Begleitpapieren der Universität wurde der Inhalt der Kisten mit Bernstein angegeben. Der Inhalt des Waggons war offiziell als Privatbesitz Professor Andrees deklariert.
In einem Schreiben vom 8. Februar 1958 bestätigt Professor Andree diese Einlagerung: „Im Jahre 1944 wurde (in etwa 10 größeren schweren und 2 kleineren Kisten) ein größeres wertvolles Material aus den geologisch – paläontologischen Sammlungen …in den Schacht nach Volpriehausen verbracht.“

Der Inhalt des 25. Eisenbahnwaggon
Auf der bereits erwähnten Liste mit der Aufstellung des Inhalts der 24 Eisenbahnwaggons aus Göttingen wird noch ein 25. Waggon erwähnt., ohne allerdings weder das Datum seiner Ankunft , seinen Herkunftsort , noch seinen genauen Inhalt zu nennen. Auf der Liste heißt es lediglich in der Rubrik „Bestände“: „1 Wagen von Königsberg Kisten“. Handschriftlich wurden die Wörter „Wagen von“ „Kisten“ gestrichen und die Wörter „Univ.“ vor „Königsberg“ und „Bernstein Slg.“ ergänzt.
Der genaue Inhalt dieses Waggons war lange Zeit nicht geklärt und gab immer wieder zu Vermutungen Anlass, dass sich in ihm Teile des Bernsteinzimmers befunden haben könnten. Dieser Waggon soll außen die Beschriftung „Hygiene – Institut“ getragen haben. In der Abschrift einer Zusammenfassung über : „Luftschutzmässige Sicherstellungen von Universitätsgut der Universität Königsberg / Pr in den Kalischacht Volpriehausen bei Northeim (Hannover)“ ohne Datum, nur mit dem Eingangsstempel 1. Sep. 1945 versehen, heißt es zu diesem Waggon im Anschluss an die Absendung der Kisten mit Bernstein und Kupferstichen: Einige Monate vorher ( also zwischen dem 27. Mai und November 1944) war bereits ein Waggon mit Apparaten und Büchern des Hygienischen Instituts der Universität Königsberg/ Pr. nach Volpriehausen abgegangen“. Ein genaueres Ankunftsdatum dieses Waggons lässt sich offensichtlich nicht mehr ermitteln.

Die Explosionskatastrophe vom 29. / 30. September 1945
Ende März 1945 traf die Leitung der Heeresmunitionsanstalt Vorkehrungen für die Räumung der Heeresmunitionsanstalt.getroffen. Die einsatzfähigen Soldaten wurden zu einer Kampfgruppe zusammengefasst . Sie gingen in einem Waldstück gegenüber der Heeresmunitionsanstalt in Stellung. Beim Verlassen der Munitionsanstalt wurde die Förderanlage außer Betrieb gesetzt, um das Eindringen von Plünderern zu verhindern, und sämtliche geheime Unterlagen in der Kesselanlage verbrannt. Das unbefugte Eindringen ortskundiger Einwohner und Fremdarbeiter konnte dadurch jedoch nicht verhindert werden.

Am 10. April 1945 besetzten Angehörige der 104. US – Division – von der Weser kommend – Volpriehausen. Ende Juni / Anfang Juli 1945 wurden sie vom 2 nd Battalion der Royal Scots Fusileers abgelöst. Obersteiger Marahrens übergab ihnen kurz danach die beiden Kisten mit Bernstein der Sammlung des Paläontologischen Instituts der Universität Königsberg. Die Kisten waren zwischenzeitlich aufgebrochen worden und aus ihnen Bernsteinstücke entnommen worden. Ein Teil von ihnen wurde Mitte der achtziger Jahre dem Bergabumuseum in Volpriehausen übergeben, wo sie sich noch heute als Leihgaben des Eigentümers, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, befinden.
In der Nacht vom 29. auf den 30. September 1945 kam es zu heftigen Explosionen im Untertagebereich der Heeresmunitionsanstalt, die fast zwei Tage andauerten. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich in den Munitionslagerkammern auf den 540 -m – und 917 – m – Sohlen noch zwischen 15 – und 20.000 t Munition. Als Ursache nahm das Bergamt große Mengen unter Tage freigesetzten Methangases an, das übertage von Menschen entzündet wurde, die über die Schachtröhre in den Untertagebereich einsteigen und plündern wollten. Infolge dieser Explosionen wurden weite Teile des Grubengebäudes und die Förderanlage zerstört.Da große Menge Oberflächenwasser in den Schacht eindrangen und die Förderanlagen zerstört waren, war es erst ab April 1946 wieder möglich, unter Lebensgefahr mit Hilfe einer Kübelfahrung in das Bergwerk zu gelangen. Dabei stellte man fest, dass der Bereich, in dem die Sammlungen und Bibliotheksbestände der Universität Göttingen eingelagert waren, der größte Teil durch Feuer zerstört oder schwer beschädigt war. Unter den Bergungshelfern befanden sich zahlreiche Studenten und Professoren aus Göttingen. Studenten fanden in einer Kammer auf der 540-m-Sohle Bernsteinstücke im Salzstaub und nahmen sie mit nach übertage . Im Jahre 2002 übergab Dr. W. , ein ehemaliger Götinger Sudent, der bei der Bergung mitgeholfen hatte, der Universität einige Bernsteinstücke, die er 1946 gefunden hatte. Es handelte sich dabei zweifelsohne um Stücke aus der Königsberger Sammlung.
Ich gehe davon aus, dass es sich dabei um Stücke aus dem letzten Transport vom Januar 1945 gehandelt hat. Anders lässt sich sonst kaum die Tatsache erklären, dass sie auf der 540-m-Sohle und nicht auf der eigentlichen Einlagerungssohle , der 660-m-Sohle , gefunden wurden.
Infolge der Hektik und der Tatsache, dass auf der 660-m-Sohle kein Platz mehr vorhanden war, hatte man wohl die Einlagerung auf der 540-m-Sohle vorgenommen . Funde von Bernsteinstücken wurden auch von jugendlichen Häftlingen des „Jugendschutzlagers“ Moringen, einem KZ für männliche Jugendliche, die in der Heeresmunitionsanstalt Zwangarbeit leisten mussten, bestätigt.
Im September / Oktober 1946 mussten alle weiteren Bergungsversuche der eingelagerten Kunstschätze wegen ständig zunehmender Wasserzuflüsse abgebrochen und schließlich ganz eingestellt werden. Das ehemalige Bergwerk wurde aufgegeben.
Im Verlauf dieser Notbergung konnte nur noch ein Bruchteil der eingelagerten Kunstschätze unversehrt geborgen werden. Der größte Teil des Bibliotheksguts und der Sammlungen der Göttinger Universität war verbrannt. Lediglich ca 60.000 Bücher und Zeitungsbände konnten der Universität zurückgegeben werden.
Auf Veranlassung des Bergamtes Goslar wurden im Jahre 2002 die beiden Schachtröhren des früheren Salzbergwerks Wittekind dauerhaft mit Ton und Schotter verfüllt und mit einem Deckel versehen, so dass kein Zugang zum Untertagebereich mehr möglich ist.

Das Tagebuch Professor Brjussows
Bei den Recherchen für seinen geplanten Film über das Bernsteinzimmer hörte Philip Remy im Jahre 1990 von einem bisher nicht bekannten Tagebuch Professor Barsows. Wie sich herausstellte, war Barsow das Pseudonym für Professor Brjussow, einem Professor am Historischen Museum in Moskau. Sein Tagebuch war bisher in der Lenin – Bibliothek unter Verschluss gehalten worden. In diesem Tagebuch schreibt er unter dem 10. Juni 1945 (zitiert nach Wermusch): „ Man begann ( mit den Ausgrabungen in der Königsberger Schlossruine) im Südflügel, nach einem Hinweis Rohdes, der behauptete, dass hier die Kisten mit diesem Zimmer gestanden hatten.“ Als man nach zwei Tagen noch nichts gefunden hatte, änderte Rohde seine Aussage „ … und erklärte plötzlich, dass das Zimmer im Nordflügel gestanden hätte, im Großen Saal… Die Besichtigung des Großen Saales ergab, dass leider sowohl das Bernsteinzimmer wie auch die Keyserling – Möbel verbrannt sind. Wir fanden Scharniere der Türen des Bernsteinzimmers, Eisenplatten mit Schrauben, mit denen die Teile an den Kistenwänden befestigt waren, sowie verkohlte Reste des Bernsteinzimmers… Wahrscheinlich war der von unseren Soldaten entfachte Brand der Grund dafür.“ In einem als „vertraulich“ deklarierten Bericht einer amerikanischen Propagandaeinheit vom 27. Juli 1945 aus Königsberg heißt es (nach Wermusch zitiert): „Sowjetische Wissenschaftler führen im Schloss Königsberg Ausgrabungen durch, um die in der UdSSR erbeuteten und hier verborgenen kulturellen und historischen Schätze zurückzuführen. In einem Interview mit der sowjetischen Nachrichtenagentur sagte A.J. Brjussow, dass man unter einer einen Meter hohen Trümmerschicht ein Inventarverzeichnis des Bernsteinzimmers aus Zarskoje Selo gefunden habe. …“ Schon vier Jahre später und endgültig 1955 ging Brjussow nicht mehr davon aus, dass Rohde ihn zum wirklichen Versteck des Bernsteinzimmers geführt hatte, wie im Zusammenhang mit den Recherchen für die Dokumentation des ZDF über das Bernsteinzimmer im Jahre 2003 bekannt wurde. Er nahm vielmehr an, dass Rohde die Kisten mit dem Bernsteinzimmer in einem der Gewölbekeller unter dem Schloss versteckt hatte. Ob sie dort verschüttet wurden oder eventuell doch noch im Februar 1945 aus Königsberg herausgebracht worden sind, lässt sich heute wohl kaum noch feststellen.

Trotz aller sachlichen und dokumentarisch abgesicherten Erklärungsversuche der vermeintlich nach Volpriehausen führenden Spuren wird wohl immer ein „Aber vielleicht doch…“ zurückbleiben . Die Faszination des Mythos Bernsteinzimmers und das Geheimnis seines Verbleibs werden – nicht nur im südlichen Niedersachsen – die Menschen wohl noch lange in ihren Bann ziehen.

Nachtrag
„Das Bernsteinzimmer – Die verschwiegene Geschichte des größten Schwindels des 20. Jahrhunderts“

Am 22. Mai 2004 veröffentlichte die britische Tageszeitung „The Guardian“ die Besprechung des Buches „Das Bernsteinzimmer: Die verschwiegene Geschichte des größten Schwindels des 20. Jahrhunderts“ von Adrian Levy und Catherine Scott-Clark .
Die beiden Verfasser zitieren in ihrem Buch aus Dokumenten aus dem Nachlass Anatoli Kutschnemows, des früheren sowjetischen Beauftragten für das Bernsteinzimmer. Er hatte 1941 entschieden, das Bernsteinzimmer nicht wie andere wertvolle Kunstschätze nach Sibirien in Sicherheit bringen zu lassen. Er hatte es stattdessen unter Tapeten und Müll im Katharinenpalais verstecken lassen. Nur deshalb konnte es den Deutschen 1941 bei der Besetzung des Katharinenpalais in die Hände fallen. Im Jahre 1946 erfuhr Kutschnemnow, dass bei der Einnahme Königsbergs durch sowjetische Soldaten das Königsberger Schloss in Brand geschossen worden und das Bernsteinzimmer im Rittersaal des Schlosses verbrannt war. Er hatte diesen Sachverhalt zeitlebens bewusst verschwiegen, da er sich mitschuldig gefühlt hatte..
www.n-tv.de 5246943.html-39k

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Quellen:

Akten und Unterlagen des Archivs des Kalibergbau – Museums Volpriehausen

Akten aus den Beständen der Verwaltung der Universität Göttingen und der Universitätsbibliothek Göttingen und des Paläontologischen Instituts der Universität Göttingen

Enke, Paul, Bernsteinzimmer – Report, Berlin 1986
Herbst, Detlev, Die Nutzung stillgelegter Kalibergwerke als Heeresmunitionsanstalten

Die Heeresmunitionsanstalt Volpriehausen, in Kali und Geschichte, 2. Jhg.- Heft 2 Dezember 2002, Heringen 2002

Wermusch, Günter, Die Bernsteinzimmer – Saga, Berlin 1991